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RohrNorm

AGFW-Regelwerk für Fernwärmeleitungen: Schweißen, Prüfung, Betriebe

Wer Fernwärmeleitungen baut, arbeitet neben den Schweißnormen nach dem technischen Regelwerk des AGFW. Die Arbeitsblätter regeln, welche Unregelmäßigkeiten an Schweißnähten zulässig sind, wie geprüft wird und wie sich ein Rohrleitungsbauunternehmen überprüfen lässt. Dieser Beitrag ordnet ein, wo welches Arbeitsblatt greift und welche Nachweise dabei entstehen.

Das AGFW-Regelwerk im Überblick

Der AGFW gibt technische Arbeitsblätter für Fernwärmenetze heraus, die mit dem Kürzel FW und einer Nummer bezeichnet werden. Für den Schweißbetrieb sind vor allem zwei relevant: FW 446 für das Schweißen und Prüfen der Leitungen und FW 601 für die Überprüfung von Rohrleitungsbauunternehmen. Daneben gibt es weitere Arbeitsblätter, etwa FW 401, das nach Angabe der AGFW auf agfw.de Aufbau und Herstellverfahren der KMR-Baueinheiten sowie Planung, rohrstatische Bemessung, Bauausführung, Inbetriebnahme und Betrieb behandelt, und FW 603 für Muffenmonteure an KMR-Leitungen.

Ausgabejahre und Abschnittsnummern der Arbeitsblätter nennen wir hier nicht. Maßgeblich ist die jeweils aktuelle Ausgabe, die der AGFW bereitstellt und die Ihr Auftraggeber vereinbart.

FW 446: Schweißen und Prüfen von Fernwärmeleitungen

Nach Angabe der AGFW auf agfw.de sind im Arbeitsblatt FW 446 die zulässigen Unregelmäßigkeiten für Fernwärmeleitungen festgelegt; des Weiteren werden Mindestanforderungen an die Herstellung und Prüfung der Schweißverbindungen aufgeführt. An derselben Stelle heißt es, dass nach ISO 5817 als Kriterien für die Festlegung von Bewertungsgruppen unter anderem die Beanspruchungsart, die Betriebsbedingungen und wirtschaftliche Faktoren genannt werden.

Für die Dokumentation bedeutet das: Die Bewertungsgruppe, gegen die Nähte bewertet werden, kommt aus dem Arbeitsblatt und dem Auftrag — nicht aus der Prüfnorm. Wie Durchstrahlung und Ultraschall an Rundnähten den Bewertungsgruppen zugeordnet werden, zeigt der Beitrag zur Rundnaht-Prüfung.

FW 601: Überprüfung von Rohrleitungsbauunternehmen

Rohrleitungsbauunternehmen können sich auf Grundlage des Arbeitsblatts FW 601 durch Zertifizierungsstellen überprüfen lassen. Bei bestandener Überprüfung erhält das Unternehmen ein Zertifikat. Für die Ausschreibung von Fernwärmeleitungen ist das ein Nachweis, nach dem Netzbetreiber fragen können.

Was bei einer Überprüfung vorgelegt werden kann

Den Prüfkatalog legt das Arbeitsblatt fest. Zu den Unterlagen eines Schweißbetriebs, nach denen gefragt werden kann, gehören:

  • Schweißanweisungen (WPS) nach ISO 15609-1 für die eingesetzten Verfahren,
  • die Verfahrensprüfungen, auf denen sie beruhen,
  • gültige Schweißerqualifikationen nach ISO 9606-1, für Orbitalanlagen Bedienerqualifikationen nach ISO 14732,
  • die Benennung der Schweißaufsicht,
  • Werkstoffzeugnisse nach EN 10204 für Rohre und Zusatzwerkstoffe.

Fernwärme und Druckgeräterecht

Ob eine Fernwärmeleitung unter die Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU fällt, ist eine Frage der Einstufung im Einzelfall. Artikel 1 Absatz 2 der Richtlinie nimmt eine Reihe von Geräten aus, darunter unter Buchstabe t) Heizkörper und Rohrleitungen in Warmwasserheizsystemen. Wie das auf eine konkrete Leitung anzuwenden ist und welche Grenzwerte greifen, erklärt druckanlagen-pruefung.de; die Grenzwerte selbst stehen im Beitrag zu den Rohrleitungsklassen.

Mantelrohr und Mediumrohr

Fernwärmeleitungen werden häufig als werksgedämmte Verbundmantelrohre (KMR) verlegt. Geschweißt wird dabei auf zwei Ebenen: am stählernen Mediumrohr nach den Schweißnormen und FW 446, und an den Muffen des Mantels, für die FW 603 die Monteure adressiert. Diese Seite behandelt das Mediumrohr; das Fügen am Mantel ist ein eigenes Feld mit eigener Fachseite.

Was RohrNorm dabei übernimmt — und was nicht

Die Software führt die Schweiß-Nachweise für das Mediumrohr — WPS, Verfahrensprüfungen, Schweißerqualifikationen mit Fristen und Werkstoffzeugnisse — und gibt sie als Auftragsdokumente aus. Die Bewertungsgruppe und den Prüfumfang legt sie nicht fest, und eine Überprüfung nach FW 601 nimmt die Zertifizierungsstelle ab.

Übernimmt die Software

  • WPS nach ISO 15609-1 erzeugen und als PDF ausgeben
  • Verfahrensprüfungen mit Geltungsbereich führen und mit der WPS abgleichen
  • Schweißerqualifikationen samt Fristen aktuell halten
  • Werkstoffzeugnisse nach EN 10204 zuordnen
  • Auftragsdokumente als PDF/ZIP ausgeben

Übernimmt sie nicht

  • Den Prüfumfang für eine Rohrleitung festlegen
  • Berechnung oder Auslegung der Rohrleitung
  • Isometrien führen oder Nachweise auf einzelne Nahtnummern beziehen
  • Konformitätsbewertung oder Abnahme
  • Eine Aussage darüber treffen, ob ein Bauteil den Anforderungen entspricht

Häufige Fragen

Was regelt das AGFW-Arbeitsblatt FW 446?

Nach Angabe der AGFW auf agfw.de sind im Arbeitsblatt FW 446 die zulässigen Unregelmäßigkeiten für Fernwärmeleitungen festgelegt; des Weiteren werden Mindestanforderungen an die Herstellung und Prüfung der Schweißverbindungen aufgeführt. Maßgeblich ist die aktuelle Ausgabe des Arbeitsblatts.

Was ist eine Überprüfung nach FW 601?

Rohrleitungsbauunternehmen können sich auf Grundlage des Arbeitsblatts AGFW FW 601 durch Zertifizierungsstellen überprüfen lassen; bei bestandener Überprüfung erhalten sie ein Zertifikat.

Gilt die Druckgeräterichtlinie für Fernwärmeleitungen?

Das ist eine Einstufungsfrage im Einzelfall. Artikel 1 Absatz 2 der Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU nimmt unter anderem Heizkörper und Rohrleitungen in Warmwasserheizsystemen aus. Wie eine konkrete Leitung einzuordnen ist, erklärt druckanlagen-pruefung.de.

Dieser Beitrag gibt eine Einordnung, keine Rechtsberatung; maßgeblich sind die geltende Fassung des jeweiligen Regelwerks und die Ausführungsspezifikation Ihres Auftrags.

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