Rundnaht am Rohr: Begriff, Schweißpositionen, Prüfung
Eine Rundnaht ist die umlaufende Schweißnaht, mit der zwei Rohre oder ein Rohr und ein Formteil — Bogen, T-Stück, Reduzierung, Flansch — stumpf verbunden werden. Im Rohrleitungsbau ist sie eine typische Naht; auf der Isometrie trägt jede Rundnaht in der Regel eine eigene Nummer.
Weil das Rohr beim Schweißen oft feststeht, wandert der Schweißer um die Naht herum und durchläuft dabei mehrere Lagen. ISO 9606-1 kennt dafür eigene Rohrpositionen: PH und PJ sowie die geneigten Positionen H-L045 und J-L045. H-L045 deckt nach Tabelle 9 die Positionen PA, PC, PE und PF ab, J-L045 die Positionen PA, PC, PE und PG.
Für große Rohre erlaubt ISO 9606-1 eine Erleichterung: Ab 150 mm Außendurchmesser darf ein Prüfstück in zwei Positionen geschweißt werden — PH oder PJ auf zwei Dritteln, PC auf einem Drittel des Umfangs (Abschnitt 5.8, Bild 2). Für den Durchmesser gilt Tabelle 7: Ein Prüfstück bis 25 mm Außendurchmesser qualifiziert für D bis 2D, ein Prüfstück über 25 mm für Durchmesser ab 0,5D, mindestens 25 mm.
Für die Durchstrahlungsprüfung (RT) nach ISO 17636-1 und die Bewertung nach ISO 10675-1:2021 gilt für Rundnähte eine Besonderheit: Bei Bewertungsgruppe C darf die Mindestzahl der Aufnahmen den Anforderungen der Klasse A entsprechen. Die Ultraschallprüfung nach ISO 17640:2018 ist für Werkstoffe ab 8 mm Dicke vorgesehen; bei dünnwandigen Rohren und austenitischen Stählen ist deshalb häufig die Durchstrahlung der volumetrische Nachweis.
Wie viele Rundnähte in welchem Umfang geprüft werden, legen Regelwerk und Auftrag fest — nicht die Prüfnorm und nicht die Software. RohrNorm führt die Nachweise hinter den Nähten: Schweißanweisung, Verfahrensprüfung, Schweißerqualifikation und Werkstoffzeugnisse des Auftrags.
Dieser Beitrag gibt eine Einordnung, keine Rechtsberatung; maßgeblich sind die geltende Fassung des jeweiligen Regelwerks und die Ausführungsspezifikation Ihres Auftrags.
RohrNorm läuft auf StahlNorm.