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RohrNorm

Schweißdokumentation für Fernwärmeleitungen: Nachweise im Leitungsbau

Im Fernwärme-Leitungsbau wird häufig auf der Baustelle geschweißt: im Graben, an feststehenden Rohren, oft unter Zeitdruck. Damit die Dokumentation am Ende vollständig ist, muss vor dem ersten Schweißstoß klar sein, welche Schweißanweisung gilt, welche Verfahrensprüfung sie trägt und welche Schweißer dafür qualifiziert sind.

Was im Fernwärme-Leitungsbau geschweißt wird

Viele Fernwärmenetze werden mit KMR-Verbundmantelrohren gebaut: Ein Stahl-Mediumrohr führt das Heizwasser, darum liegen Dämmung und Mantel. Geschweißt wird an zwei Stellen mit völlig unterschiedlichen Anforderungen — an den Rundnähten der Stahl-Mediumrohre und an den Muffen des Mantels. Dieser Beitrag behandelt die Stahlseite; für die Mantelseite verweisen wir auf kunststoffschweiss-doku.de.

Regelwerk: AGFW und Schweißnormen

Das Regelwerk der AGFW ist im Fernwärme-Leitungsbau der zentrale Bezugspunkt. Für die Schweißdokumentation sind vor allem diese Arbeitsblätter einschlägig:

  • FW 401 — Aufbau und Herstellverfahren der KMR-Baueinheiten, Planung, rohrstatische Bemessung, Bauausführung, Inbetriebnahme und Betrieb (Angabe der AGFW auf agfw.de),
  • FW 446 — zulässige Unregelmäßigkeiten für Fernwärmeleitungen und Mindestanforderungen an die Herstellung und Prüfung der Schweißverbindungen (Angabe der AGFW auf agfw.de),
  • FW 601 — Zertifizierung von Rohrleitungsbauunternehmen,
  • FW 603 — Qualifikation der Muffenmonteure für KMR.

Welche Fassung gilt und welche weiteren Anforderungen der Netzbetreiber stellt, steht im Auftrag. Eine Einordnung des Regelwerks gibt der Beitrag zum AGFW-Regelwerk. Ob und in welcher Kategorie eine Leitung unter die Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU fällt, ist eine Einstufungsfrage — die Richtlinie selbst nimmt in Artikel 1 Absatz 2 Buchstabe t Heizkörper und Rohrleitungen in Warmwasserheizsystemen aus. Die Einstufung erklärt druckanlagen-pruefung.de.

Die Nachweise hinter jeder Rundnaht

Schweißanweisung und Verfahrensprüfung

Jede Rundnaht wird nach einer Schweißanweisung (WPS) nach ISO 15609-1 geschweißt, die durch eine Verfahrensprüfung — meist nach ISO 15614-1 — getragen wird. Im Leitungsbau ist dabei der Rohr-Außendurchmesser relevant: Bei Stufe 2 der ISO 15614-1:2017 gehört er zum Geltungsbereich der Verfahrensprüfung (Abschnitt 8.3.3).

Schweißerqualifikation am feststehenden Rohr

Im Graben dreht sich das Rohr nicht. Die Schweißerprüfung nach ISO 9606-1 muss deshalb die Rohrpositionen abdecken — etwa PH oder H-L045, das nach Tabelle 9 die Positionen PA, PC, PE und PF einschließt. Ein Blechprüfstück deckt feststehende Rohre erst ab 500 mm Außendurchmesser ab (Abschnitt 5.3). Für den Durchmesser gilt Tabelle 7: Ein Prüfstück über 25 mm Außendurchmesser qualifiziert für Durchmesser ab 0,5D, mindestens 25 mm. Die Bestätigung alle sechs Monate und die Verlängerung nach Abschnitt 9.3 erklärt der Beitrag zum Schweißen am Rohr.

Werkstoffzeugnisse

Für Rohre, Bögen und Zusatzwerkstoffe liegen Prüfbescheinigungen nach EN 10204:2004 vor. Ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 wird vom Hersteller ausgestellt und von seinem von der Fertigungsabteilung unabhängigen Abnahmebeauftragten bestätigt (Abschnitt 4.1).

Prüfung und Aufbewahrung

Wie die Rundnähte zerstörungsfrei geprüft werden, beschreibt der Beitrag zur Rundnaht-Prüfung. Arbeitet der Betrieb nach ISO 3834-2:2021, sind die Qualitätsaufzeichnungen mindestens fünf Jahre aufzubewahren, wenn nichts anderes festgelegt ist (Abschnitt 18).

Was RohrNorm dabei übernimmt — und was nicht

Die Software führt die Schweiß-Nachweise des Auftrags — Schweißanweisung, Verfahrensprüfung, Schweißerqualifikationen und Werkstoffzeugnisse — und gibt sie gesammelt aus. Prüfumfang, Abnahme und Einstufung bleiben bei Ihnen und Ihrem Auftraggeber.

Übernimmt die Software

  • WPS nach ISO 15609-1 erzeugen und als PDF ausgeben
  • Verfahrensprüfungen mit Geltungsbereich führen und mit der WPS abgleichen
  • Schweißerqualifikationen samt Fristen aktuell halten
  • Werkstoffzeugnisse nach EN 10204 zuordnen
  • Auftragsdokumente als PDF/ZIP ausgeben

Übernimmt sie nicht

  • Den Prüfumfang für eine Rohrleitung festlegen
  • Berechnung oder Auslegung der Rohrleitung
  • Isometrien führen oder Nachweise auf einzelne Nahtnummern beziehen
  • Konformitätsbewertung oder Abnahme
  • Eine Aussage darüber treffen, ob ein Bauteil den Anforderungen entspricht

Häufige Fragen

Welche Regelwerke gelten beim Schweißen von Fernwärmeleitungen?

Neben den Schweißnormen — ISO 15609-1 für die Schweißanweisung, ISO 15614-1 für die Verfahrensprüfung, ISO 9606-1 für die Schweißerprüfung — ist im Fernwärme-Leitungsbau das Regelwerk der AGFW maßgeblich, etwa das Arbeitsblatt FW 446, in dem nach Angabe der AGFW auf agfw.de die zulässigen Unregelmäßigkeiten für Fernwärmeleitungen festgelegt sind. Welche Regeln im Einzelnen gelten, legt der Auftrag des Netzbetreibers fest.

Deckt eine Blechprüfung das Schweißen an feststehenden Fernwärmerohren ab?

Nach ISO 9606-1 (Abschnitt 5.3) deckt ein Blechprüfstück feststehende Rohre erst ab 500 mm Außendurchmesser ab. Für kleinere feststehende Rohre braucht der Schweißer eine Prüfung am Rohr.

Wer schweißt die Muffen am Mantelrohr?

Die Muffenmontage am Mantel ist eine eigene Tätigkeit mit eigener Qualifikation; die Prüfung von Muffenmonteuren führt die AGFW unter dem Arbeitsblatt FW 603. RohrNorm führt die Nachweise für das Schweißen der Stahl-Mediumrohre, nicht für die Muffenmontage.

Dieser Beitrag gibt eine Einordnung, keine Rechtsberatung; maßgeblich sind die geltende Fassung des jeweiligen Regelwerks und die Ausführungsspezifikation Ihres Auftrags.

RohrNorm läuft auf StahlNorm.