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RohrNorm

Rundnaht-Prüfung: Durchstrahlung und Ultraschall an Rohrnähten

Rundnähte verbinden Rohre und Formteile — und sie sind die Nähte, nach denen im Rohrleitungsbau häufig mit volumetrischer Prüfung gefragt wird. Dieser Beitrag ordnet die Prüfnormen für Durchstrahlung und Ultraschall ein und zeigt, wie Prüfklasse, Bewertungsgruppe und Zulässigkeitsgrenze zusammenhängen.

Wer festlegt, was geprüft wird

Die Prüfnormen regeln, wie eine Naht geprüft und bewertet wird. Wie viele Rundnähte in welchem Umfang zerstörungsfrei geprüft werden, ergibt sich aus dem Regelwerk der Anlage — bei metallischen industriellen Rohrleitungen etwa EN 13480-5 — und aus der Ausführungsspezifikation des Auftrags. Die Auswahl der Prüfverfahren und die Zuordnung der Prüfklassen zu den Bewertungsgruppen beschreibt ISO 17635.

Bewertungsgruppen als Bezugspunkt

Grundlage der Bewertung ist meist eine Bewertungsgruppe nach ISO 5817. Die Norm kennt drei Gruppen — B, C und D —, wobei B den höchsten Anforderungen entspricht (DIN EN ISO 5817:2023-07, Anwendungsbereich). Für Rohre enthält sie eigene Zeilen, etwa zum Kantenversatz. Welche Bewertungsgruppe für eine Rohrleitung gilt, legt der Auftrag fest; die Einordnung der Gruppen erklärt stahlnorm.de.

Passend dazu: AGFW-Regelwerk für Fernwärmeleitungen.

Durchstrahlungsprüfung (RT)

Die Durchstrahlungsprüfung von Schmelzschweißnähten wird nach ISO 17636-1 (Film) durchgeführt, die Bewertung der Aufnahmen nach ISO 10675-1 (Stahl, Nickel, Titan und ihre Legierungen). ISO 10675-1:2021 ordnet in Tabelle 2 jeder Bewertungsgruppe eine Prüfklasse und eine Zulässigkeitsgrenze zu:

  • Bewertungsgruppe B: Prüfklasse B, Zulässigkeitsgrenze 1,
  • Bewertungsgruppe C: Prüfklasse B, Zulässigkeitsgrenze 2,
  • Bewertungsgruppe D: Prüfklasse A, Zulässigkeitsgrenze 3.

Eine Anmerkung betrifft Rundnähte unmittelbar: Bei Bewertungsgruppe C darf die Mindestzahl der Aufnahmen für Rundnähte den Anforderungen der Klasse A nach ISO 17636-1 entsprechen.

Ultraschallprüfung (UT)

ISO 17640:2018 regelt die manuelle Ultraschallprüfung von Schmelzschweißverbindungen in Werkstoffen ab 8 mm Dicke mit geringer Schallschwächung, bei Prüftemperaturen von 0 bis 60 °C, vorrangig für voll durchgeschweißte Verbindungen in ferritischen Stählen. Die Norm kennt vier Prüfklassen A, B, C und D: Von A bis C steigt mit dem Prüfumfang die Wahrscheinlichkeit, Unregelmäßigkeiten zu finden; Klasse D ist für Sonderfälle vorgesehen und verlangt eine schriftliche Prüfanweisung.

Die Zulässigkeitsgrenzen stehen in ISO 11666:2018, Tabelle 1: Bewertungsgruppe B verlangt mindestens Prüfklasse B mit Zulässigkeitsgrenze 2, die Gruppen C und D mindestens Prüfklasse A mit Zulässigkeitsgrenze 3. Für Gruppe D wird Ultraschallprüfung nicht empfohlen. Die Tabelle bezieht sich auf die Fassung ISO 5817:2014.

Grenzen der Ultraschallprüfung

Für dünnwandige Rohre und austenitische Werkstoffe ist Ultraschall nicht ohne Weiteres das Mittel der Wahl. ISO 15614-1:2017 schließt die Ultraschallprüfung bei der Verfahrensprüfung ausdrücklich aus für Dicken unter 8 mm und für die Werkstoffgruppen 8, 10 und 41 bis 48 (Tabelle 2, Fußnote). Bei Edelstahl-Rohrleitungen in Prozessanlagen ist deshalb die Durchstrahlung häufig der volumetrische Nachweis.

Prüfpersonal und Nachweis

ISO 3834-2:2021 verlangt qualifiziertes ZfP-Personal (Abschnitt 8.2). Prüfberichte gehören zu den Qualitätsaufzeichnungen, die nach Abschnitt 18 mindestens fünf Jahre aufzubewahren sind, sofern nichts anderes gefordert ist. Wird nahtbezogen dokumentiert, steht im Prüfbericht die Nahtnummer aus der Isometrie, damit Ergebnis und Naht zusammenfinden.

Passend dazu: Isometrie-Vorlage und Rohrleitungs-Symbole.

Hinter jeder geprüften Naht steht die Frage, mit welcher Schweißanweisung und von wem sie geschweißt wurde. Diese Nachweise — WPS, Verfahrensprüfung, Schweißerqualifikation — gehören zur Schweißdokumentation des Auftrags, neben den Prüfberichten.

Was RohrNorm dabei übernimmt — und was nicht

Die Software führt die Schweiß-Nachweise des Auftrags. Den Prüfumfang legt sie nicht fest, und Prüfergebnisse bewertet sie nicht.

Übernimmt die Software

  • WPS nach ISO 15609-1 erzeugen und als PDF ausgeben
  • Verfahrensprüfungen mit Geltungsbereich führen und mit der WPS abgleichen
  • Schweißerqualifikationen samt Fristen aktuell halten
  • Werkstoffzeugnisse nach EN 10204 zuordnen
  • Auftragsdokumente als PDF/ZIP ausgeben

Übernimmt sie nicht

  • Den Prüfumfang für eine Rohrleitung festlegen
  • Berechnung oder Auslegung der Rohrleitung
  • Isometrien führen oder Nachweise auf einzelne Nahtnummern beziehen
  • Konformitätsbewertung oder Abnahme
  • Eine Aussage darüber treffen, ob ein Bauteil den Anforderungen entspricht

Häufige Fragen

Ab welcher Wanddicke ist Ultraschallprüfung nach ISO 17640 vorgesehen?

ISO 17640:2018 gilt für die manuelle Ultraschallprüfung von Schmelzschweißverbindungen in Werkstoffen ab 8 mm Dicke mit geringer Schallschwächung, vorrangig für voll durchgeschweißte Verbindungen in ferritischen Stählen.

Wer legt fest, wie viele Rundnähte geprüft werden?

Der Prüfumfang ergibt sich aus dem anzuwendenden Regelwerk und der Ausführungsspezifikation des Auftrags. Die Prüfnormen beschreiben, wie geprüft und bewertet wird — nicht, wie viele Nähte.

Muss das ZfP-Personal qualifiziert sein?

ISO 3834-2:2021 verlangt in Abschnitt 8.2 qualifiziertes ZfP-Personal. Für die Sichtprüfung ist nicht immer eine Qualifikationsprüfung erforderlich; dann muss der Hersteller die Kompetenz verifizieren.

Dieser Beitrag gibt eine Einordnung, keine Rechtsberatung; maßgeblich sind die geltende Fassung des jeweiligen Regelwerks und die Ausführungsspezifikation Ihres Auftrags.

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