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RohrNorm

Druckprüfung von Rohrleitungen: Regelfall, Alternativen und Nachweis

Die Druckprüfung ist der letzte große Schritt vor der Übergabe einer Rohrleitung. Sie prüft die fertige Leitung als Ganzes — und sie setzt voraus, dass die Schweißnähte vorher dokumentiert und, wo gefordert, zerstörungsfrei geprüft sind. Dieser Beitrag ordnet ein, was die Druckgeräterichtlinie dazu festlegt und was das Regelwerk der Anlage ergänzt.

Die Druckprüfung als Teil der Abnahme

Fällt eine Rohrleitung unter die Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU, regelt deren Anhang I die Abnahme in zwei Schritten: Die Schlussprüfung (Nummer 3.2.1) überprüft durch Sichtprüfung und Kontrolle der zugehörigen Unterlagen, ob die Anforderungen erfüllt sind. Die Druckprüfung (Nummer 3.2.2) schließt eine Druckfestigkeitsprüfung ein, die normalerweise als hydrostatischer Druckversuch durchgeführt wird — also mit einer Flüssigkeit als Prüfmedium.

Für serienmäßig hergestellte Geräte der Kategorie I lässt Nummer 3.2.2 eine Prüfung auf statistischer Grundlage zu. Im Anlagen-Rohrleitungsbau, wo jede Leitung ein Einzelstück ist, spielt das selten eine Rolle.

Wenn der hydrostatische Druckversuch nicht geht

Nicht jede Leitung verträgt Flüssigkeit: Restfeuchte kann im Betrieb stören, das Gewicht der Füllung kann Unterstützungen überlasten. Nummer 3.2.2 sieht dafür eine Öffnung vor: Ist der hydrostatische Druckversuch nachteilig oder nicht durchführbar, können andere Prüfungen durchgeführt werden, die sich als wirksam erwiesen haben.

Die Bedingung steht im selben Absatz: Vor anderen Prüfungen als dem hydrostatischen Druckversuch sind zusätzliche Maßnahmen anzuwenden, etwa zerstörungsfreie Prüfungen oder andere gleichwertige Verfahren. Wer auf die Flüssigkeitsprüfung verzichtet, braucht also an anderer Stelle mehr Nachweis — häufig an den Schweißnähten. Welche Verfahren dafür in Frage kommen, zeigt der Beitrag zur Rundnaht-Prüfung.

Woher der Prüfdruck kommt

Nummer 3.2.2 verlangt, dass der Prüfdruck mindestens dem in Nummer 7.4 festgelegten Wert entspricht — mit dem Zusatz „falls anwendbar“. Nummer 7.4 nennt ihre Mindestwerte ausdrücklich für Druckbehälter. Für Rohrleitungen ergibt sich der Prüfdruck deshalb aus der Produktnorm bzw. Ausführungsspezifikation; EN 13480-5 lag für diesen Beitrag nicht im Wortlaut vor. Einen pauschalen Faktor nennen wir hier bewusst nicht: Er hängt an der Fassung des Regelwerks und an den Auslegungsdaten.

Was festgehalten wird

Anhang I, Nummer 3.3 b) zählt Angaben auf, die je nach Art des Druckgeräts zur Kennzeichnung gehören. Für Rohrleitungen nennt sie die Nennweite DN; außerdem steht dort der aufgebrachte Prüfdruck PT in bar und das Datum. Welche weiteren Angaben ein Druckprüfprotokoll enthält, legen Regelwerk, Prüfstelle und Auftrag fest.

Druckprüfung und Schweißnähte

Die Druckprüfung prüft die Leitung als Ganzes; über die einzelne Naht sagt sie nur, dass sie gehalten hat. Was hinter jeder Naht steht — Schweißanweisung, Verfahrensprüfung, Qualifikation des Schweißers, Werkstoffzeugnisse und gegebenenfalls ZfP-Bericht —, wird in der Schlussprüfung als Unterlage kontrolliert. Diese Unterlagen sollten deshalb vor der Druckprüfung vollständig sein; Nacharbeit an einer Naht nach bestandener Druckprüfung wirft die Frage auf, ob erneut geprüft werden muss.

  • Vor der Druckprüfung: Nähte geschweißt, dokumentiert und, wo gefordert, zerstörungsfrei geprüft.
  • Während der Druckprüfung: Prüfdruck, Prüfmedium und Haltezeit nach Regelwerk und Prüfanweisung.
  • Nach der Druckprüfung: Prüfdruck PT und Datum festgehalten, Unterlagen für die Schlussprüfung vollständig.

Prüfungen im Betrieb

Die Druckprüfung beim Hersteller ist nicht die letzte. Für den Betreiber regelt in Deutschland die Betriebssicherheitsverordnung die Prüfung vor Inbetriebnahme (§ 15) und die wiederkehrenden Prüfungen von Druckanlagen. Fristen und Zuständigkeiten erklärt druckanlagen-pruefung.de.

Was RohrNorm dabei übernimmt — und was nicht

Druckprüfungen werden in RohrNorm weder geplant noch bewertet. Die Software führt Schweißanweisungen, Verfahrensprüfungen, Schweißerqualifikationen und Werkstoffzeugnisse und gibt sie als Auftragsdokumente aus.

Übernimmt die Software

  • WPS nach ISO 15609-1 erzeugen und als PDF ausgeben
  • Verfahrensprüfungen mit Geltungsbereich führen und mit der WPS abgleichen
  • Schweißerqualifikationen samt Fristen aktuell halten
  • Werkstoffzeugnisse nach EN 10204 zuordnen
  • Auftragsdokumente als PDF/ZIP ausgeben

Übernimmt sie nicht

  • Den Prüfumfang für eine Rohrleitung festlegen
  • Berechnung oder Auslegung der Rohrleitung
  • Isometrien führen oder Nachweise auf einzelne Nahtnummern beziehen
  • Konformitätsbewertung oder Abnahme
  • Eine Aussage darüber treffen, ob ein Bauteil den Anforderungen entspricht

Häufige Fragen

Muss eine Rohrleitung immer hydrostatisch geprüft werden?

Die Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU nennt den hydrostatischen Druckversuch als Regelfall (Anhang I, Nummer 3.2.2). Ist er nachteilig oder nicht durchführbar, können andere Prüfungen durchgeführt werden, die sich als wirksam erwiesen haben — vorher sind dann zusätzliche Maßnahmen wie zerstörungsfreie Prüfungen anzuwenden.

Welcher Prüfdruck gilt für eine Rohrleitung?

Nummer 3.2.2 verweist auf die Mindestwerte in Nummer 7.4, „falls anwendbar“. Nummer 7.4 nennt diese Werte ausdrücklich für Druckbehälter. Für eine Rohrleitung ergibt sich der Prüfdruck aus dem angewandten Regelwerk und der Auslegung; einen pauschalen Faktor nennen wir hier bewusst nicht.

Was gehört nach der Druckprüfung auf die Kennzeichnung?

Anhang I, Nummer 3.3 b) nennt je nach Art des Druckgeräts weitere Angaben, unter anderem die Nennweite DN für Rohrleitungen und den aufgebrachten Prüfdruck PT in bar mit Datum.

Dieser Beitrag gibt eine Einordnung, keine Rechtsberatung; maßgeblich sind die geltende Fassung des jeweiligen Regelwerks und die Ausführungsspezifikation Ihres Auftrags.

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